Interview mit Dr. Jean-Paul Uvoyo Ulangi – Preisträger des Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit 2021

Der Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit honoriert dieses Jahr ein Projekt zum Thema „Epidemic Preparedness and Response“.
Image: Dr. Jean-Paul Uvoyo Ulangi

Im Interview berichtet der Preisträger Dr. Jean-Paul Uvoyo Ulangi, Country Medical Coordinator DR Congo und Regional Health Advisor, Malteser International, über das Preisträgerprojekt “Community communication as key for Preparedness, Prevention and Response - A comprehensive approach toward epidemics in the northeast of the Democratic Republic of the Congo”.

Lieber Herr Dr. Jean-Paul Uvoyo Ulangi, herzlichen Glückwunsch zum Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit 2021. Bitte geben Sie uns einen Einblick in das Preisträgerprojekt und stellen uns die Ziele des Projekts vor?

Vielen Dank. Bei dem Projekt geht es darum, die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, um bei dem Ausbruch von Epidemien bestmöglich vorbereitet zu sein. Dabei setzen wir in den Provinzen Ituri und Haut-Uélé auf einen effizienten gemeindebasierten Ansatz. Das Ziel besteht darin, die Häufigkeit von Erkrankungen und die Sterblichkeit bei Epidemien zu verringern und die Ausbreitung der Erreger einzudämmen.

Das Projekt stützt sich auf fünf Säulen: die Risikokommunikation und Einbindung der Bevölkerung; das klinische und gemeindebasierte epidemiologische Monitoring zur Früherkennung, Prävention und Bekämpfung von Epidemien; das Fallmanagement mit geschultem und gecoachtem Personal, das regelmäßige Simulationen durchgeführt hat; und die sektorübergreifende Koordinierung der Maßnahmen vor, während und nach der Epidemie mit einem strategischen Materialbestandsmanagement.

Welche konkreten Maßnahmen haben Sie eingesetzt, um die Entstehung und Ausbreitung von Epidemien in der Demokratischen Republik Kongo zu minimieren?

Zunächst haben wir die Risiken in Bezug auf Eintrittswahrscheinlichkeit, Auswirkungen und Auslöser analysiert. Anschließend wurden ein Notfallplan entwickelt und ein strategischer Materialvorrat angelegt, und die gecoachten Krisenreaktionsteams haben Simulationen durchgeführt.
Außerdem haben wir die PFIM-Methode (People first impact method) angewendet, die den Menschen eine Stimme gibt. Dabei wurden die in der Gemeinde vorhandenen Fähigkeiten genutzt, um über die Risiken aufzuklären. Menschen aus der Mitte ihrer Gemeinschaft haben ihre Mitmenschen über Infektionswege informiert und wie man sich effektiv vor einer Ansteckung schützen kann. Dieser gemeindebasierte Ansatz hat dabei geholfen, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen und Gerüchte zu zerstreuen.
Mit dem gemeindegestützten Monitoring konnten Krankheitsausbrüche frühzeitig erkannt werden. Gleichzeitig waren wir durch die strategische Bevorratung in der Lage, schnell zu reagieren und Epidemien einzudämmen.

Was sind die Pläne für Ihre zukünftige Arbeit?

Künftig wollen wir die gemeindebasierte Epidemieprävention und -bekämpfung durch den One Health-Ansatz stärken: Epidemien sollen dort bekämpft werden, wo Menschen, Tiere und Umwelt aufeinandertreffen. Mit der Stärkung des Konzepts wird sich eine sektorübergreifende Arbeitsgruppe befassen, der u. a. Tierärzte, Gesundheitspersonal, Ökologen, Umweltschützer, WASH-Spezialisten, Agronomen, Lehrkräfte sowie Vertreter der Gemeinden und der Zivilgesellschaft angehören.

Für was werden Sie das Preisgeld nutzen?

Das Preisgeld ist für die Opfer von Epidemien bestimmt und soll dazu verwendet werden, die Resilienz des Gesundheitssystems bei der Vorbereitung und Reaktion auf Epidemien zu stärken: durch den One Health-Ansatz, durch strategische Materialbestände zur Verbesserung der Reaktionsfähigkeit, durch die Stärkung der Kapazitäten des Gesundheitspersonals im Bereich des Monitorings sowie durch die Einbindung der Bevölkerung in die Prävention und Reaktion auf Zoonosen wie Pest, Tollwut oder Brucellose.

Vielen Dank.