Wir haben etwas gegen Keime: 1 Million Euro für Ihre Ideen

Krankenhauskeime sorgen für viermal mehr Todesfälle als Unfälle im Straßenverkehr. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass das bald Vergangenheit ist. Mit unserem Geld. Und Ihren Ideen.
1 Million Euro gegen Keime

Wie lässt sich die Hygiene in der Arztpraxis, im Krankenhaus oder einem anderen medizinischen Kontext verbessern? In unserer Sonderausschreibung „1 Million gegen Keime“ suchen wir die besten Ideen für digitale Lösungen, Aufklärungsmaßnahmen oder eine innovative Aus-, Weiter- und Fortbildung. Für die Umsetzung dieser Ideen gibt es insgesamt 1 Million Euro.

9 Ideen gegen Keime! Die besten Vorschläge sind in der Endrunde.

Herzlichen Dank für 211 spannende und kreative Vorschläge, die uns im Rahmen der Sonderausschreibung „1 Million Euro gegen Keime“ erreicht haben.  

In einem umfangreichen dreitägigen Auswahlverfahren wurden 26 Antragsteller*innen um eine digitale Präsentation ihres Projektes gebeten. Unser interdisziplinäres Expertenteam hat daraufhin die neun besten Teilnehmer*innen der drei Auswahlverfahren (Aufklärung (zukünftiger) Patienten und Angehöriger, Aus-, Weiter-, Fortbildung, Digitale Lösungen für die Prozess- und Arbeitsorganisation) ermittelt.  Alle Ideengeber der digitalen Auswahlverfahren überzeugten durch ihre fachliche Kompetenz, eine Entscheidung zu treffen, fiel der Jury ausgesprochen schwer.

Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung hat die herausragenden Leistungen dieser neun Finalisten mit einer Urkunde, einem digitalen Gruß und einem Preisgeld in Höhe von 1000,- Euro honoriert. Herzlichen Glückwunsch!

Wir freuen uns, Ihnen die 9 besten Ideengeber*innen vorzustellen:  

Jonas Schubert – Die Spezialseife
 

Sebastian Bickelhaupt - RadHyg - Stärkung des Hygienebewusstseins durch Integration in Aufklärungsbögen

Bildgebende Untersuchungen der Radiologie sind ein wichtiger Teil der medizinischen Behandlung von Krankheiten und werden jedes Jahr millionenfach durchgeführt. Bei vielen der bildgebenden Untersuchungen, aber auch bei vielen weiteren medizinischen Prozeduren und Eingriffen in anderen medizinischen Fachbereichen, kommen sogenannte Aufklärungsbögen zum Einsatz, die Patienten*innen über die anstehende Untersuchung informieren. Im Rahmen des Projektes soll ein neues Informationselement für diese Aufklärungsbögen entwickelt werden, welches über die Bedeutung der Händehygiene informiert und das Hygienebewusstseins durch praktische Tipps - verständlich aufbereitet aus den Leitlinien und Kommissions-Empfehlungen - stärkt.

Sybelle Goedicke-Fritz - Wir riechen Keime

Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, gehören auf Grund ihrer Unreife zur Hochrisikogruppe für Krankenhausinfektionen. Bisher ist die Diagnostik sehr kosten- und zeitaufwändig und belastend für den unreifen Organismus. Ein potenzielles neues und nicht-invasives Diagnostikinstrument zur Früherkennung von Erregern und deren Erkrankungen stellt die elektronische Nase dar. Sie identifiziert flüchtige organische Verbindungen (Volatile organic compounds, VOC), die mit jedem Atemzug abgegeben werden. Die VOC geben wichtige Informationen über die Art und Aktivität des Organismus und ermöglichen die Diagnostik von Erkrankungen. Die risikofreie Anwendung der elektronischen Nase, die ohne eine zusätzliche Belastung für die Patient*innen erfolgt, macht es für eine Vielzahl medizinischer Fragestellungen ausgesprochen interessant.

Constantin Kraus - Krankenhaushygiene im Wandel der Zeit

Kinder und Jugendliche von heute wachsen mit digitalen Medien auf, die selbstverständlich und intuitiv verwendet werden und einen wichtigen Stellenwert in der Alltagswelt einnehmen – dies gilt vor allem auch für digitale Spiele. Für die Zielgruppe Familien und angehende Studierende in den Ausbildungsbereichen Medizin, Geschichte und Biologie soll daher ein familienfreundliches Spiel für Smartphones entwickelt werden, das wichtige Meilensteine der (Krankenhaus)-Hygiene abbildet und als Abenteuer erlebbar wird. Durch den spielerischen Ansatz sollen das Wissen und das Interesse für Hygiene nachhaltig geweckt und verankert werden.

Kathrin Rothe und Friedemann Gebhardt - IT-basierte Etablierung von verzögerten Antibiotika-Verschreibungsstrategien im ambulanten Bereich zur Reduktion des Antibiotikaverbrauches

Übermäßiger Antibiotikaverbrauch führt zu Antibiotikaresistenzen. Durch sogenannte verzögerte Verschreibungsstrategien werden Patient*innen mit leichten Infektionen deswegen gebeten, zunächst einige Tage den natürlichen Krankheitsverlauf abzuwarten, bevor ein Antibiotikum eingenommen wird. Da sich Patient*innen in diesem Zeitraum oft unsicher bzw. alleingelassen fühlen, soll eine App entwickelt werden, welche Symptomdokumentation ermöglicht und über den Krankheitsverlauf und Warnsymptome aufklärt. Dies steigert das Verständnis der Patient*innen gegenüber ihrer Krankheit und ermächtigt sie, die Entscheidung, auf Antibiose zu verzichten, mitzutragen.

Bettina Schock - Hygiene & Emotion – Prävention für Präventive

Mitarbeiter*innen der Hygiene werden im Krankenhaus oft als störend wahrgenommen. Damit die Gruppe der Präventiven weiterhin die Gesunderhaltung und Hygiene im höchsten Maß vermitteln kann, möchte dieses Projekt einen psychologischen Ansatz etablieren, der die Mitarbeiter*innen befähigt, zukünftig sicherer und spannungsfreier in ihrem Arbeitsfeld agieren zu können. Daher werden Mitarbeiter*innen der Hygiene ausführlich nach ihrem Befinden, Erfahrungen und Ausbildungsinhalten befragt. Ausgewählte Kliniken können dann an dem psychologischen Programm teilnehmen und ihre hygienische Zusammenarbeit verbessern.

Sebastian Schulz-Stübner - App-basierte Anamnese zum Ausschluss von Antibiotika-Allergien für medizinisches Personal und als Selbstcheck für Patienten

Das Projekt hat zum Ziel, über eine App die Antibiotika-Allergieanamnese strukturiert zu erfassen und nach eindeutigem Befragungsergebnis, dies in der Patientenakte zu korrigieren. Wissenschaft und klinische Erfahrungen zeigen, dass den meisten vermeintlichen Antibiotika-Allergien eine ganz andere Ursache zugrunde liegt und die Antibiotika eigentlich problemlos verwendet werden könnten. Einerseits leistet die geplante App eine Hilfestellung durch einfache Übersetzung bestehender medizinischer Leitlinienempfehlungen in den klinischen Alltag von medizinischem Fachpersonal in Krankenhäusern und Arztpraxen, andererseits zum Selbstcheck von Patientinnen und Patienten auf gleicher Datengrundlage. Somit soll eine optimale Therapie inklusive einer Löschung von fehldiagnostizierten Allergien sichergestellt werden.

Michaela Coenen und Arne Simon - INFEKT-PROTECT für Kinder und Jugendliche mit schwerwiegenden Grunderkrankungen: Entwicklung und Implementierung von innovativen digitalen Informationsmaterialien und Schulungskonzepten

Das Projekt richtet sich an Kinder und Jugendliche mit schweren Erkrankungen, deren Eltern, Betreuer*innen und (medizinisches) Fachpersonal. Es sollen innovative digitale Informations- und Schulungsformate sowie eine App entwickelt werden, die über das Infektionsrisiko mit multiresistenten Keimen bei Kindern und Jugendlichen informieren und wichtige Tipps für die Vorbeugung und den Umgang mit Infektionen geben. Dies dient einer Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen Kinder und ihrer Familien.

Thomas Wernbacher - "HygieneRules" - ein interaktives Brettspiel für Familien

Informationen, die über digitale Medien, wie etwa dem Smartphone, Tablet oder PC an Kinder und Jugendliche herangetragen werden, werden in der Regel mühelos verarbeitet. Dieses spielerische Lernen soll in dem aktuellen Projekt genutzt werden, um mit Hilfe eines interaktiven Brettspiels die Wahrnehmung gegenüber der (Krankenhaus-)Hygiene innerhalb der Familie zu steigern. Außerdem soll das Spiel in Bildungs- oder Jugendeinrichtungen eingesetzt werden. Im Spiel können Videos, Quizfragen und Mini-Games rund um das Thema Hygiene abgerufen werden.

Im weiteren Vorgehen reichen die Ideengeber*innen bis spätestens zum 31.10.2020 einen Vollantrag ein. Diese Vollanträge werden von Expert*innen nochmals begutachtet. Im Frühjahr 2021 entscheidet der Stiftungsrat, welche Ideen mit der Stiftungs-Million umgesetzt werden.

Bei Rückfragen rund um die Ausschreibung stehen wir Ihnen gerne unter Tel. +49 6172 8975-0 oder per E-Mail an hygiene@ekfs.de zur Verfügung.