Else Kröner Cancer Center - Addis Abeba/Äthiopien

Seit rund zehn Jahren engagiert sich die Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter der Leitung von PD Dr. Eva Kantelhardt in Äthiopien, um die onkologische Versorgung von Frauen vor allem in ländlichen Gebieten zu verbessern.
Partner aus Addis Ababa und Halle bei einem gemeinsamen Planungs-Workshop in Äthiopien 2018

Projektleitung: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, PD Dr. Eva J. Kantelhardt

Partnerland: Äthiopien

Partnerorganisation vor Ort: Addis Abeba Universität (AAU)

Laufzeit: fünf Jahre


Bessere Früherkennung und Versorgung von Brust- und Gebärmutterhalskrebs in Äthiopien
Enger Partner ist ein interdisziplinäres Team unter Leitung von Dr. Adamu Addissie der Addis Abeba Universität. Durch eine EKFS-Förderung von 2017 bis 2019 konnten bereits mehr als 3.000 Frauen an einer Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung teilnehmen.

Allein in Äthiopien – mit rund 100 Millionen Einwohnern eines der bevölkerungsreichsten Länder Afrikas – wurden 2018 laut WHO schätzungsweise 68.000 neue Krebserkrankungen diagnostiziert. Im Gegensatz zum weltweiten Durchschnitt sind in Äthiopien rund zwei Drittel der an Krebs Erkrankten Frauen. Dabei sind Brust- und Gebärmutterhalskrebs die häufigsten Krebserkrankungen, die in vielen Fällen aufgrund zu spät erfolgter Diagnose und Therapie tödlich enden. Da ihnen vielfach finanzielle Mittel fehlen oder sie familiär zu stark eingebunden sind, suchen äthiopische Frauen oft viel zu spät einen Arzt auf. Hinzu kommt, dass über 80 % der Bevölkerung in ländlichen Gebieten leben und damit nur sehr eingeschränkten Zugang zu adäquaten Gesundheitseinrichtungen haben.

80 %
der Bevölkerung
lebt in ländlichen Gebieten und hat nur eingeschränkten Zugang zu adäquaten Gesundheitseinrichungen

Während in westlichen Ländern die Sterblichkeitsrate bei Gebärmutterhalskrebs durch flächendeckende Vorsorgemaßnahmen und Früherkennungsstrategien wie Screening um nahezu 80 % reduziert werden konnte und auch Mamakarzinome bei frühzeitiger Erkennung effektiv behandelt werden können, sieht die Situation in Äthiopien ganz anders aus. Das einzige vollausgestattete Onkologiezentrum des Landes an der Addis Abeba Universität ist überfüllt, hat sehr lange Wartezeiten und kann den Bedarf des Landes nicht decken. Auch Präventionsmaßnahmen, wie beispielsweise Impfungen gegen Humane Papillom-Viren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs verursachen, wurden gerade erst bei jungen Mädchen begonnen.

68.000
neue Krebserkrankungen in Äthiopien
im Jahr 2018 laut WHO

Basierend auf diesen langjährigen Erfahrungen und Fortschritten soll die Sonderförderung der EKFS in das auf fünf Jahre angelegte Projekt zur Verbesserung und Dezentralisierung onkologischer Versorgung fließen. Alle Maßnahmen werden eng mit dem Krebsteam der äthiopischen Regierung abgestimmt. Damit sollen die bestehenden staatlichen Programme und Strategien zur Bekämpfung von Krebs gestärkt werden. So haben beispielsweise die äthiopische Regierung und Interessengruppen begonnen, sechs neue regionale Onkologie-Zentren in Jimma, Gondar, Hawassa, Mekelle, Haramaya und St. Paul komplett auszustatten. Diese Zentren bieten derzeit nur eine geringe Auswahl an Chemotherapie an.

Das Tikur Anbessa University Hospital Addis Ababa
Patientinnen im Butajira Hospital
PD Dr. Eva J. Kantelhardt und Herr Muluken Gizaw, der Leiter des EKFS-Projekts 2017 bis 2019 in Äthiopien

Darüber hinaus wird ein landesweites Screening für Gebärmutterhalskrebs durch die Regierung aufgebaut. Die Partner unterstützen durch Qualitätssicherung und ein nachhaltiges Ausbildungs- und Weiterbildungsprogramm diese Aktivitäten. Zudem ist die Einrichtung eines Else Kröner Cancer Center für Frauen in Addis Abeba geplant. Hier sollen zukünftig Frauen mit Verdacht auf Brust- und Gebärmutterhalskrebs von Mitarbeitern der Addis Abeba Universität eine zeitnahe, moderne Diagnostik und Therapieempfehlung bekommen. Die neue Krebsklinik wird außerdem als Aus- und Weiterbildungsstandort für die Mitarbeiter der neuen regionalen Onkologie-Zentren dienen. Geplant ist auch eine enge Zusammenarbeit mit acht ländlichen regionalen Krankenhäusern und ihren Gesundheitszentren, um das Gebärmutterhalskrebs-Screening zu optimieren. Darüber hinaus soll ein System auf Gemeindeebene entwickelt werden, um die Krebspatienten durch bestehende lokale Strukturen langfristig auch psychosozial zu unterstützen.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website der Universitätsmedizin Halle (Saale).