Humanitärer Preis 2018

22. November 2018: EKFS zeichnet ein Projekt für chronisch kranke Slum-Bewohner in Buenos Aires von Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V. aus
Dr. Carina Vetye-Maler versorgt Patienten mit Medikamenten

Den Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit erhält im Jahr 2018 das Projekt:

„Verbesserung der medizinischen Ausbildung und der Patientenversorgung bei nicht-übertragbaren Krankheiten: Zehn Jahre gesicherter Zugang zu Diagnose und Therapie der Hypertonie, Diabetes, Hypercholesterinämie und/oder Adipositas für Slum-Bewohner von Buenos Aires“ der Projektleiterin Dr. Carina Vetye-Maler von Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V.

Dr. Carina Vetye-Maler
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Projektleiterin

Die Folgen der nicht-übertragbaren Krankheiten wie Schlaganfall oder Amputation lassen die armen Familien noch tiefer ins Elend sinken. Besonders grausam dabei ist, dass die Medikamente so preiswert sind, die Armen aber trotzdem keinen Zugang dazu haben.

 

Der Preis würdigt Projekte, die der Verbesserung der medizinischen Versorgung in Entwicklungsländern dienen. Der Preis ist mit 100.000 Euro dotiert. In diesem Jahr steht die Prävention und Bekämpfung nicht-übertragbare Krankheiten (non-communicable diseases – NCDs) im Fokus der Preisverleihung. Zur Gruppe der nicht-übertragbaren Krankheiten zählen Erkrankungen wie etwa Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und psychische Störungen. Jährlich sterben in Entwicklungsländern bis zu 30 Millionen Menschen an solchen Krankheiten. Seit 2015 gelten sie als die weltweit häufigste Todesursache.

Dr. Judith von Heusinger
medizinisch-humanitäre Entwicklungszusammenarbeit
Portrait Dr. Judith von Heusinger
Default Bild Kontaktmodul
Katie Dain
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CEO der NCD Alliance, Festrednerin bei der Preisverleihung

People in low- and middle-income countries bear the brunt of the NCD epidemic – poverty exposes people to risk factors for NCDs and in turn, NCDs contribute to the poverty cycle. In low- and lower-middle income countries, 8.2 million lives could be saved by 2030 if countries implemented the WHO Best Buys; the imperative for action is clear.

Medizin für die Armen: Projektbeschreibung

In Argentinien sind jährlich ca. 31 Prozent der Todesfälle auf kardiovaskuläre Erkrankungen zurückzuführen. Die Prävalenz von erhöhtem Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwerten sowie Adipositas und damit steigendem kardiovaskulären Risiko ist bei Menschen mit geringer Schulbildung – verglichen mit Akademikern – etwa doppelt so hoch.

Seit 2008 kooperieren die Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V. mit dem städtischen Gesundheitszentrum Nr. 16 in Villa Zagala, einem Armenviertel in Buenos Aires. Vornehmlich fehlt es im Slum an Standardmedikamenten, aber auch an Beratungsleistungen durch Fachpersonal. Slum-Bewohner verfügen meistens über informelle Jobs ohne Krankenversicherung – ein Grund, weshalb es dort keine Hausärzte gibt. Daher ist das Gesundheitszentrum die erste und wichtigste Anlaufstelle für Kranke. Die deutsch-argentinische Apothekerin und AoG-Projektleiterin, Carina Vetye, hat die AoG-Apotheke im Slum aufgebaut, die sie mit sechs ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen betreibt, um die erkrankten Bewohner mit den überlebensnotwendigen Medikamenten zu versorgen, die die Stadt nicht bereitstellen kann.

Die Ehefrau des Patienten holt wöchentlich Medikamente im Gesundheitszentrum ab.
Medikamentenausgabe im Gesundheitszentrum Nr. 16 in Villa Zagala, einem Armenviertel in Buenos Aires
Städtisches Gesundheitszentrum Nr. 16 in Villa Zagala
Medikamentenausgabe im Gesundheitszentrum Nr. 16 in Villa Zagala, einem Armenviertel in Buenos Aires
Dr. Carina Vetye-Maler im städtischen Gesundheitszentrum Nr. 16 in Villa Zagala

Das Projekt gewährt langfristige – mindestens zehn Jahre – medizinisch-pharmazeutische Versorgung der Slum-Bewohner mit chronischen Krankheiten wie Typ 2 Diabetes, Hypertonie, Hypercholesterinämie und Adipositas, um die Anzahl der Todesfälle und die Folgeschäden aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen zu senken. Unterstützend werden diverse Präventionsprogramme angeboten. Mehrere Ärztinnen, zwei Krankenschwestern und eine Hebamme arbeiten dort für wenig Geld meist nur halbtags. Im Gesundheitszentrum wird daher von AoG auch zusätzliches, medizinisches Personal finanziert.

Dr. Carina Vetye-Maler
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Projektleiterin

Viele Erkrankte müssen bis zu acht Tabletten täglich einnehmen. Nicht nur gegen Diabetes, sondern auch gegen Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen.

Allein für ihr Diabetes-Programm, das seit 2008 läuft und in dem etwa 130 Diabetiker, fast ausschließlich mit Typ 2, betreut werden, braucht Vetye über 300.000 Tabletten im Jahr. Die Diabetesrate unter den Slumbewohnern schätzt sie auf etwa zehn Prozent – mindestens 2.000 Menschen, für deren Versorgung dem Gesundheitszentrum jedoch weder Personal noch Mittel zur Verfügung stehen.

Mit Hilfe des Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit 2018 wird zusätzlich benötigtes ärztliches Personal und fehlende Medikamente bis zum Jahr 2021 mitfinanziert.

 

Preisverleihung am 22. November 2018 im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Die Preisverleihung fand am 22. November 2018 im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Berlin statt und wurde mit einer Rede von Bundesminister Dr. Gerd Müller zu den „Herausforderungen für die Entwicklungszusammenarbeit“ sowie einem Festvortrag von Katie Dain, CEO der NCD Alliance, zum Thema „Non-Communicable Diseases – A Global Health and Development Tsunami“ begleitet.

 

Dr. Gerd Müller
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Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Nicht-übertragbare Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes treffen Entwicklungsländer besonders hart. Deshalb müssen wir jetzt handeln und die Prävention und Gesundheitssysteme in diesen Ländern stärken.

Dr. Schenk (EKFS), Dr. von Heusinger (EKFS), Dr. Pignolino (Gesundheitszentrum), Dr. Dreyer (argent. Vertreterin AoG), Dr. Vetye (arg. AoG-Projektleiterin), Botschafter E. Malaroda, Ch. Fahrmbacher-Lutz (AoG), St. Sturm (Fresenius), K. Dain (NCD Alliance)
Dr. Dieter Schenk, Vorsitzender des Stiftungsrates der Else Kröner-Fresenius-Stiftung überreicht Dr. Carina Vetye-Maler die Urkunde
Bundesminister Dr. Gerd Müller während seiner Rede über die „Herausforderungen für die Entwicklungszusammenarbeit“
Impressionen der Preisverleihung 2018
Festvortrag von Katie Dain, CEO der NCD Alliance, zum Thema: „Non-Communicable Diseases – A Global Health and Development Tsunami“
Laudatorin Christiane Fahrmbacher-Lutz (Apotheker ohne Grenzen)
v. l. n. r. Dr. Claudia Dreyer, argentinische Vertreterin von Apotheker ohne Grenzen, und Dr. Bibiana Pignolino, Direktorin des Gesundheitszentrums in Buenos Aires
Dr. Carina Vetye-Maler