Else Kröner Fresenius Stiftung

Pressemitteilung

Forschung für den Patienten: Else Kröner Memorial Stipendien für junge clinician scientists

Drei junge, wissenschaftlich erfolgreiche und  engagierte Ärzte erhalten die Möglichkeit, sich für zwei Jahre ganz ihrer Forschung zu widmen: die angehende Chirurgin Dr. Lena-Christin Conradi, der Nephrologe PD Dr. Johan Lorenzen und der Neurologe PD Dr. Matthis Synofzik konnten den Wettbewerb um die EKMS 2015 für sich entscheiden.

Bad Homburg, den 3. Dezember 2015 – Medizinischer Fortschritt entsteht dort, wo der Wunsch des Arztes, seinen Patienten noch besser als bisher möglich zu helfen, und grundlegende Erkenntnisse über die Krankheit zusammentreffen. Die Motivation zur Forschung schöpfen die drei Stipendiaten aus ihrer ärztlichen Tätigkeit. Alle drei stellen  sich schon seit Jahren neben den klinischen Verpflichtungen auch drängenden Forschungsfragen aus ihrem jeweiligen Fach. Sie haben sich in wissenschaftliche Fragestellungen eingearbeitet, hochmoderne Labortechniken erlernt und zum Teil auch selbst weiter entwickelt und schon jetzt klinisch relevante Fragen beantwortet. Mit der Bewerbung um das Stipendium haben sie sich einem harten Wettbewerb gestellt: Unter 25 Bewerbungen konnten sie sich sowohl hinsichtlich ihrer bisherigen klinischen und wissenschaftlichen Erfolge als auch hinsichtlich der wissenschaftlichen Qualität des jetzt geplanten Projekts auszeichnen.

Seit 2002 werden die Else Kröner Memorial Stipendien  regelmäßig an forschende Kliniker verliehen, denen es gelingt, parallel zur Patientenversorgung international beachtete Forschungsergebnisse zu erarbeiten. Mit diesen Stipendien wird ausgezeichneten Clinician Scientists eine zweijährige, intensive Forschungsphase ermöglicht.  Für Gehalt und Sachmittel werden bis zu 110.000 Euro p.a. zur Verfügung gestellt. „In den Reihen ehemaliger Stipendiaten finden sich führende Universitätsprofessoren und international namhafte Clinician Scientists“, so PD Dr. Schultz-Hector.

 

Die Stipendiaten 2015:

Dr. Lena-Christin Conradi  (Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie, Universitätsmedizin Göttingen) – Besonderheiten des Stoffwechsels von Endothelzellen im  metastasierenden Kolonkarzinom lassen sich für neue, zielgerichtete therapeutische Ansätze nutzen.

Für Chirurgen ist es bekanntermaßen besonders schwierig, neben dem vom OP-Plan diktierten an Überstunden reichen klinischen Dienst in der Krankenversorgung zeitliche Freiräume für Forschung zu schaffen. Lena-Christin Conradi hat bereits im Rahmen einer onkologisch orientierten Doktorarbeit Interesse an der Forschung gefunden und dieses kontinuierlich in den vergangenen fünfeinhalb Jahren ihrer Weiterbildung zur Chirurgin ausgebaut. Die Aufnahme in das Göttinger Else Kröner-Fresenius Forschungskolleg 2014 ermöglichte  einen Forschungsaufenthalt in der international renommierten Arbeitsgruppe von Prof. Peter Carmeliet in Leuven. Dort hat Dr. Conradi sich mit den Besonderheiten der in Tumoren neu entstehenden Blutgefäße bzw. deren Endothelzellen befasst. Sie hat durch die Untersuchung des Stoffwechsels dieser Zellen einen Ansatzpunkt gefunden, der möglicherweise dazu dienen kann, die tumoreigenen Blutgefäße für neue zielgerichtete Therapien zugänglich zu machen. Dieser Frage wird die Stipendiatin in den kommenden zwei Jahren in parallelen experimentellen und klinischen Ansätzen nachgehen. Frau Dr. Conradi freut sich auf die Möglichkeit in einem international führenden Labor forschen zu können:  „Von der  Forschungszeit, die ich im Rahmen des Else Kröner Memorial Stipendiums im Carmeliet-Lab in Belgien verbringen werde, erhoffe ich mir vor allen Dingen viel Neues zu lernen, um anschließend neben der Klinik auch weiterhin relevante wissenschaftliche Fragestellungen bearbeiten zu können. 

PD Dr. Johan Lorenzen (Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen der Medizinischen Hochschule Hannover) – Therapeutische Modulation langer, nicht kodierender RNAs als molekulare Therapie des Ischämie/Reperfusionsschaden der Niere

Für viele Nierenkranke ist die erfolgreiche Nierentransplantation die einzige Chance auf ein Leben, dessen Alltag nicht in erster Linie von ihrer Krankheit bestimmt ist. Der Erfolg der Transplantation hängt ganz wesentlich davon ab, wie gut das Spenderorgan die Prozedur der Explantation und der Lagerung übersteht, bis es wieder in neuer natürlicher Umgebung mit Blut und Sauerstoff versorgt wird (Ischämie-Reperfusionsschaden). Die molekularen Prozesse dieser Prozedur-bedingten Schädigung von Spenderorganen sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt und es wird fieberhaft nach Möglichkeiten gesucht sie günstig zu beeinflussen. Der Nephrologe PD Dr. Johan Lorenzen verfolgt hier einen innovativen Ansatz, in dessen Mittepunkt ein Vertreter einer erst relativ kürzlich als wichtiger Regelfaktor erkannten RNA-Spezies steht. Die traditionelle Hauptfunktion der RNA ist es, den von der DNA abgelesenen Code in transportfähiger Form für die Übersetzung in bestimmte Proteine verfügbar zu machen. In den letzten Jahren wurde aber zunehmend erkannt, dass es RNA Moleküle gibt, die ganz andere Funktionen haben und die Herstellung von Proteinen vielfältig regulieren. Sowohl bei der Entstehung von Krankheiten als auch bei deren Bekämpfung können sie eine wichtige Rolle spielen. Diese ganz neuen Forschungsansätze versucht der Stipendiat auf das „alte“ aber immer noch ungelöste Problem der Erhaltung von Spenderorganen zu übertragen. Damit schlägt er eine Brücke zwischen hochaktueller Molekularbiologie und einem drängenden klinischen Problem. „Ich erhoffe mir von der Stipendienzeit die Chance auf Entdeckung einer neuen molekularen Therapie des Ischämie-Reperfusionsschadens der Niere.  Jeder weiterführende Ansatz auf diesem Gebiet hätte klinisch große Bedeutung“, so PD Dr. Johan Lorenzen.

PD Dr. Matthis Synofzik (Zentrum für Neurologie und Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universitätsklinikum Tübingen) – Lösung eines Rätsels: Die Entschlüsselung früh beginnender Bewegungsstörungen durch neueste genetische Hochdurchsatz-Verfahren

Schon zu Beginn seiner klinischen Weiterbildung zum Neurologen verfolgte PD Dr. Matthis Synofzik eigenständig wissenschaftliche Fragestellungen zum Verständnis genetischer Grundlagen degenerativer Bewegungsstörungen und Demenzen. Trotz seiner jungen Jahre ist er schon heute ein international bekannter und als Vortragender vielfach angefragter Forscher auf diesem Gebiet. Frühe, d.h. vor dem 40. Lebensjahr beginnende Bewegungsstörungen sind seltene, aber für die Patienten außerordentlich einschneidende Erkrankungen. In der überwiegenden Zahl der Fälle lassen sich mit bisher verfügbaren genetischen Analysemethoden die genetischen Ursachen nicht feststellen. Auch die klinische Symptomatik erlaubt oftmals keine genaue Diagnose. Darum ist eine umfassende genetische Hochdurchsatz-Analyse für eine aussagekräftige Diagnostik sowie eine individuell angepasste Behandlung entscheidend. PD Dr. Synofzik ist schon seit 2012 gemeinsam mit anderen neurologischen Zentren weltweit dabei, Patienten mit  derart seltenen, komplexen Bewegungsstörungen zu identifizieren. International  werden systematisch Blutproben und klinische Daten gesammelt und mit genetischen Befunden korreliert. Der Stipendiat setzt dabei auf die schnellste und umfassendste derzeit verfügbare Sequenziermethodik, die Ganz-Genom-Sequenzierung (whole genome sequencing). Fast 300 Patienten sind inzwischen erfasst. Durch den systematischen Vergleich der klinischen und genetischen Daten innerhalb dieser Kohorte wird es möglich sein, die verschiedenen Unterformen dieser seltenen  Erkrankungen zu studieren und zukünftig besser zu behandeln.  „Das Else Kröner Memorial Stipendium“, so Synofzik, „erlaubt mir die Freiheit, jenseits der  klinischen Routine-Verpflichtungen kreativ zu sein und mit Sorgfalt und Tiefe jeden einzelnen Patienten mit diesen seltenen Bewegungsstörungen klinisch und genetisch zu analysieren. Davon wird der einzelne Patient ebenso profitieren, wie der wissenschaftliche Kenntnisstand über diese Erkrankungen.“

 

Über die Else Kröner-Fresenius-Stiftung

Die Stiftung wurde im Jahr 1983 von der Unternehmerin Else Kröner gegründet und zu ihrer Alleinerbin eingesetzt. Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung widmet sich der Förderung medizinischer Forschung und unterstützt medizinisch-humanitäre Hilfsprojekte. Die EKFS bezieht nahezu alle ihre Einkünfte aus Dividenden des Gesundheitskonzerns Fresenius, dessen größte Aktionärin sie ist. Die Stiftung fördert satzungsgemäß nur solche Forschungsaufgaben, deren Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich sind. Bis heute hat die Stiftung rund 1.460 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 230 Millionen Euro gefördert. (www.ekfs.de)

 

Kontakt

PD Dr. Susanne Schultz-Hector
Mitglied des Vorstands

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