Else Kröner Fresenius Stiftung

ZEIT Forum Gesundheit

Essen ist Politik - Über die Bedeutung einer gesunden Ernährung

Bei dem ersten ZEIT FORUM Gesundheit in Kooperation mit der Else Kröner-Fresenius-Stiftung diskutieren Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft über die Bedeutung einer gesunden Ernährung und ihren gesellschaftlichen Stellenwert. Mit auf dem Podium: Prof. Dr. Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius Zentrums für Ernährungsmedizin.

Essen zwischen Verführung und Vernunft, zwischen Stoffwechsel und Therapie, zwischen privatem Genuss und staatlicher Kontrolle. Die richtige Ernährung verspricht ein gesundes Leben. Doch was ist wissenschaftlich bewiesen und was sind lediglich Versprechungen? Kann die „richtige“ Ernährung vor Krankheiten schützen, gar Krankheiten lindern? Und wie bringt man Menschen dazu, gesünder zu essen?

Video-Mitschnitt

Nach Schätzungen des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin werden zwei Drittel aller Ausgaben im Gesundheitssystem für chronische Krankheiten aufgewendet. Wie sich eine Person ernährt, beeinflusst, ob sie im Laufe ihres Lebens an einer Adipositas, chronischen Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Krebs oder Osteoporose leidet. Professor Hauner führte aus, dass im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen die Ernährungstherapie Teil vieler Behandlungskonzepte ist,  die Ernährung in Deutschland immer von der Medizin abgetrennt war. Deshalb ist sie viel zu wenig im Bewusstsein und im Gesundheitssystem verankert. Obwohl 30 Prozent aller Ausgaben im Gesundheitssystem ernährungsbedingte Krankheiten betreffen.

Ideen zur Prävention

Auf dem Podium saß auch Bundestagsabgeordnete Renate Künast. Sie empfahl, das Thema Ernährung zur stadtplanerischen Aufgabe zu machen: „Wir brauchen Planungsdiskurse darüber, wie wir an Kindergärten, Schulen und Universitäten gesundes Essen etablieren.“ Gesundheitspsychologin Prof. Dr. Britta Renner von der Universität Konstanz betonte, dass ein Zuviel an Salz, Fett und Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln inzwischen die Hauptursache für die großen Zivilisationskrankheiten ist. Die Frage lautete daher: Wie kann man präventiv dagegen vorgehen? Die Psychologin empfahl ein sanftes Anstoßen, Menschen zu motivieren, sich besser zu ernähren, ohne Verbote auszusprechen. Obst wird z. B. eher verzehrt, wenn es klein geschnitten präsentiert wird. Auch in Kantinen könne man darauf achten, kleine Teller vor großen zu platzieren, und Fleischgerichte weniger dominant zu präsentieren. „Eine artgerechte Umgebung für den Menschen wäre hilfreich“, so die Psychologin.

Intensive Ernährungsforschung immer wichtiger

Was die Faktoren der täglichen Nahrung sind, die uns krank machen, das erforschen drei Teams am Else Kröner-Fresenius-Zentrum am Wissenschaftszentrum Weihenstephan (WZW) und an der Fakultät für Medizin. Professor Hans Hauner leitet den Lehrstuhl Klinische Ernährungsmedizin und war zudem von Beginn an als Direktor des EKFZ maßgeblich am Aufbau des Zentrums beteiligt. Professor Heiko Witt steht der Pädiatrischen Ernährungsmedizin vor, Professor Martin Klingenspor leitet den Lehrstuhl Molekulare Ernährungsmedizin (siehe 10-jähriges Jubiläum) .

„Als die Else Kröner-Fresenius-Stiftung und die TU München im Jahr 2000 beschlossen, ein ernährungsmedizinisches Zentrum aufzubauen, war dies für die Wissenschaftslandschaft der Bundesrepublik etwas grundlegend Neues“, sagt Professor Hauner – woran sich bis heute nichts geändert habe. „Lediglich im Bereich der Rehabilitationsmedizin wird Ernährungsmedizin in größerem Umfang auch praktisch angewandt“, sagt der EKFZ-Direktor. In einem Land, in dem der „inadäquat hohe Verzehr von Zucker, Salz und gesättigten Fetten das deutsche Gesundheitssystem mit zusätzlichen Kosten im Milliardenbereich belastete, ist eine intensive Ernährungsforschung, wie sie am EKFZ betrieben wird, von beträchtlicher Bedeutung.

Copyright: Phil Dera