Else Kröner Fresenius Stiftung

Yetnebersh Nigussie – eine blinde Frau schärft unseren Blick für Gerechtigkeit

Jeder siebte Mensch auf unserem Planeten lebt mit einer Behinderung. Das haben die Weltbank und die Weltgesundheitsorganisation in ihrem „World Report on Disability“ festgestellt. Mehr als eine Milliarde Menschen leben dadurch oft am Rande ihrer Gesellschaft, oft verdrängt, verflucht, vergessen. Eine starke Stimme aus Äthiopien wird durch die Verleihung des diesjährigen Right Livelihood Award am 01. Dezember in Stockholm zur weltweiten Ruferin für die Rechte derjenigen, die spätestens seit dem Inkrafttreten der UN Konvention zu den Rechten der Menschen mit Behinderung eine selbstverständliche Inklusion erleben sollten. Tun sie aber nicht.

Yetnebersh Nigussie betört durch ihre persönliche Lebensgeschichte: Im Lebensalter von fünf Jahren im ländlichen Äthiopien verliert sie ihr Augenlicht. Eine Fügung glücklicher Umstände bringt sie in ein katholisches Internat, wo sie als eine der Begabtesten ihre Karriere bis zum späteren Studienabschluss der Rechtswissenschaften beginnt. Yetnebersh Nigussie ist eine der wichtigsten globalen Kämpferinnen gegen Ausgrenzung und für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Ihr Lieblingssatz ist denn auch: „Ich habe eine Behinderung und 99 Fähigkeiten, doch die meisten Menschen neigen dazu, nur meine Behinderung zu sehen!“ Als Mitarbeiterin der Hilfsorganisation „Licht für die Welt“  erhob Yetnebersh Nigussie ihre eherne Stimme im grossen Menschenrechtssaal der Vereinten Nationen in Genf wie auch bei der UNO in New York und verankerte mit facettenreichen Statements im Weltgewissen: „Nichts über uns, ohne uns!“

Prof.Dr. Siegfried Priglinger, Direktor der Universitätsaugenklinik in München und ehrenamtlicher Vorstand von Licht für die Welt e.V. wird nicht müde zu betonen: „Jeder zweite blinde Mensch in Äthiopien leidet an Grauem Star und könnte mit einer 15-minütigen Operation von oft jahrelanger Blindheit geheilt werden!“ Mit der Errichtung von zwei Universitätsaugenklinik in Äthiopien – den Städten Jimma und Gondar - hat Licht für die Welt einen Meilenstein für nachhaltige augenmedizinische Hilfe gelegt. Der gemeinsame Kampf gegen Armutsblindheit verbindet den Münchner Fachexperten mit der diesjährigen Alternativnobelpreisgewinnerin. Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung fördert seit vier Jahren die landesweite Ausbildung der so dringend benötigten augenmedizinischen Fachkräfte in Äthiopien, im nachhaltigen Dienst für besonders benachteiligte Augenkranke und Blinde. Denn mehr als 600.000 blinde Menschen in Äthiopien leiden am Grauen Star und könnten mit Augenoperationen geheilt werden.

Für Yetnebersh Nigussie´s Augenlicht kam die Hilfe zu spät. Und so schärft diese grosse, blinde Frau heute unseren Blick für Gerechtigkeit in der Welt.                    

 

www.light-for-the-world.org

https://www.light-for-the-world.org/right-livelihood-award-yetnebersh-nigussie