Else Kröner Fresenius Stiftung

Pressemitteilung

EKFS-Kollegiat erhält Paul-Martini-Preis

Dr. Jan Krönke hat Wirkungsweise von Krebsmedikament aufgeklärt.

Bad Homburg/Ulm, 15.04.2016 – Der diesjährige Träger des Paul-Martini-Preis 2016, Dr. Jan Krönke, ist einer der  Kollegiaten aus dem Else Kröner Forschungskolleg am Universitätsklinikum Ulm. Für seine herausragenden Leistungen in der klinisch-therapeutischen Arzneimittelforschung erhielt der junge Clinician Scientist den mit 25.000 Euro dotierten Preis im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Mannheim.

Dr. Jan Krönke (36) ist Assistenzarzt in der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum Ulm. Seine klinische Tätigkeit erstreckt sich auf die ambulante und stationäre Versorgung von hämatologisch und onkologisch erkrankten Patienten. Als Wissenschaftler leitet er seit Anfang vergangenen Jahres eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingerichtete Emmy Noether-Nachwuchsgruppe.

Der Preisträger konnte in einer bahnbrechenden Publikation zeigen, dass der Wirkstoff Lenalidomid – strukturverwandt mit Thalidomid, das unter dem Namen Contergan Anfang der 60iger Jahre schwere Missbildungen bei noch ungeborenen Kindern ausgelöst hatte – als eine Art "Protein-Müllabfuhr" an der Zelle anbindet. Wie Jan Krönke herausfand, sorgen bestimmte Medikamente dafür, dass Proteine stillgelegt werden: Sie veranlassen, dass die Proteine für die zelleigene „Müll-Entsorgung“ als Abfall gekennzeichnet werden. Der Wirkstoff markiert, was weggeworfen werden soll: im Fall von Lenalidomid zwei Eiweiße, welche die Entstehung des Multiplen Myeloms – eine Krebserkrankung des Knochmarks – begünstigen. Diese Proteine werden abgebaut und zerstört. Jan Krönke: "Das war vorher noch nie so beschrieben worden." Die Erkenntnisse sind nicht nur für die Behandlung des Multiplen Myeloms bedeutend. So wirkt Lenalidomid auch bei einer weiteren Erkrankung der Blutbildung, dem Myelodysplastischen Syndrom (MDS). Durch genetische Veränderungen der Stammzellen können diese Patienten keine funktionstüchtigen Blutzellen mehr bilden und entwickeln schlimmstenfalls eine akute Leukämie.

„Auf Grundlage der neuen Erkenntnisse dürfte man einem Patienten künftig schon vor der Behandlung sagen können, ob ihm diese Medikamente helfen können oder ob eine andere Therapie angezeigt ist“, erklärt Prof. Dr. Stefan Endres, München, im Namen der sechsköpfigen Jury. Zudem ermöglichten Krönkes Ergebnisse, gegen weitere Krankheiten neue Medikamente zu entwickeln, die das gleiche Wirkprinzip nutzen.

 „Es gibt  immer weniger hochbegabte junge Ärztinnen und Ärzte, die sich der doppelten Herausforderung von Krankenversorgung und Forschung und somit der Karriere als Clinician Scientist stellen“, sagt PD Dr. Susanne Schultz-Hector, Vorstandsmitglied der Else Kröner-Fresenius-Stiftung. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, startete die Stiftung 2010 ein ganz neues Förderinstrument: Die Forschungskollegien bieten forschungsbegeisterten jungen Ärzten die Möglichkeit, sich ein bis zwei Jahre ganz auf ihr Forschungsprojekt zu konzentrieren.

Eine Besonderheit ist das von EKFS geförderten Ulmer Forschungskollegs, weil sowohl relativ junge forschende Ärzte in einer „Startphase“ als auch bereits fortgeschrittene, wissenschaftlich und klinisch erfahrene Clinician Scientists in einer „Etablierungsphase“ fördert. „Die Aneignung und Entwicklung mechanistischer Ansätze und Methoden erlaubt es den Kollegiaten, klinische Fragestellungen hinsichtlich der Thematik des Kollegs in eigene Forschungskonzepte umzusetzen“, so Prof. Dr. Stephan Stilgenbauer und Prof. Dr. Hartmut Geiger, Sprecher des Forschungskollegs am Universitätsklinikum Ulm.

Weitere Informationen über die Verleihung des Paul-Martini-Preis 2016

 

Kontakt

Universitätsklinikum Ulm
Klinik für Innere Medizin III
Robert-Koch-Straße 8
89081 Ulm
E-Mail: jan.kroenke(at)uniklinik-ulm.deu

Paul-Martini-Stiftung
Hausvogteiplatz 13
10117 Berlin
E-Mail: info(at)paul-martini-stiftung.de