Else Kröner Fresenius Stiftung

Pressemitteilung

Ein Land sehend machen: Else Kröner-Fresenius-Stiftung und EinDollarBrille e.V. schließen strategische Partnerschaft

Pilotprojekt in Malawi – Ziel der Kooperation ist die dauerhafte Versorgung der Bevölkerung in Malawi mit Brillen

v.l. Thomas Honzen (Vorstand EKFS), Martin Aufmuth (Gründer EinDollarBrille e.V.),
Dr. Dieter Schenk (Vorsitzender des EKFS-Stiftungsrats), Dr. Ulrike Schneider (Leitung Stiftungskommunikation)

 

Erlangen/Bad Homburg, 03.11.2015 – Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung und der Verein EinDollarBrille e.V. schließen eine strategische Partnerschaft zur Versorgung der Bevölkerung in Malawi mit bezahlbaren und passenden Brillen. Im Rahmen eines Pilotprojektes wurde dafür zunächst eine Region im Süden des Landes ausgewählt -   langfristiges Ziel ist jedoch die dauerhafte augenoptische Versorgung der Bevölkerung in ganz Malawi.

Malawi: Brillen weitgehend unbekannt – hoher Bedarf

Malawi ist mit seinen rund 18 Millionen Einwohnern eines der ärmsten Länder der Welt. Der Bedarf an augenoptischer Versorgung und Sehhilfen ist sehr hoch. Die meisten Fehlsichtigen in Malawi haben noch nie einen Augenarzt besucht, und viele von ihnen wissen nicht einmal, dass ihnen eine Brille helfen würde. Die Brillen der wenigen Optiker im Land können sich nur sehr vermögende Menschen leisten. Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die globale Dimension des Problems: Weltweit benötigen mehr als 150 Mio. Menschen eine Brille, können sich aber keine leisten und haben meist auch keinen Zugang zu augenoptischer Versorgung. Der Einkommensverlust, der daraus resultiert, dass Menschen nicht lernen, keine oder zumindest keine qualifizierte Arbeit aufnehmen und ihre Familien nicht versorgen können, liegt bei geschätzten 120 Mrd. US-Dollar pro Jahr.

Die EinDollarBrille

Martin Aufmuth, der Gründer des Vereins EinDollarBrille e.V., hat eine Lösung für dieses Problem entwickelt: die EinDollarBrille. Sie besteht aus einem leichten und flexiblen Federstahlrahmen; farbige Perlen verleihen ihr ein schönes, individuelles Design. Die EinDollarBrille wird auf einer einfachen Handbiegemaschine von den Menschen vor Ort hergestellt, ihre Materialkosten liegen bei lediglich rund 1 US-Dollar. Ein nachhaltiges Geschäftsmodell zur Verbreitung der EinDollarBrille, das zudem noch Arbeitsplätze schafft, flankiert die bahnbrechende Erfindung: Der Verein trainiert lokale Fachkräfte in Herstellung und Vertrieb der EinDollarBrillen sowie in der Durchführung von Augentests. Die so ausgebildeten Menschen können von der Produktion und dem Verkauf der Brillen leben und generieren ein eigenes Einkommen – in nicht wenigen Fällen das erste in ihrem Leben.

Hilfe zur Selbsthilfe

„Benachteiligten Menschen eine Sehhilfe zu ermöglichen und sie damit am normalen Leben teilhaben zu lassen – das wäre ganz im Sinne unserer Stifterin gewesen“, kommentiert Dr. Dieter Schenk, Vorsitzender des Stiftungsrats der EKFS. Vor allem die mit der augenoptischen Ausbildung vor Ort angelegte Nachhaltigkeit des Projekts habe die Entscheidung der Stiftung positiv beeinflusst, so Schenk weiter. „Der Aufbau nachhaltiger Strukturen wäre ohne Spenden und die finanzielle Unterstützung von Partnern nicht möglich“, betont Martin Aufmuth. „Wir freuen uns sehr über die Partnerschaft mit der Else Kröner-Fresenius-Stiftung“, so Aufmuth, der in der  flächendeckenden Versorgung Malawis einen großen Meilenstein im globalen Kampf gegen Fehlsichtigkeit sieht.

Sehstärke schenkt Zukunft (eine Momentaufnahme in Malawi, Oktober 2015)

Freudestrahlend setzt Salomy ihre neue Brille auf: „Ich sehe plötzlich alles ganz scharf!“, sagt sie. Schon vor langer Zeit hat ihr ein Arzt gesagt, sie solle sich eine Brille kaufen. Ihre Eltern konnten sich die umgerechnet 30 Euro für eine Brille vom Optiker jedoch nicht leisten. Seit sie denken kann, hat Salomy deshalb in der Schule von ihrer Sitznachbarin abgeschrieben. „Ich bin so froh, dass ich jetzt selber lesen kann, was an der Tafel steht. Ich möchte einmal Jura studieren und da muss ich gute Noten haben.“ So schafft die EinDollarBrille neue Zukunftsperspektiven – nicht nur für Salomy, sondern für Menschen jeden Alters und in unterschiedlichen Lebensverhältnissen. Um 4 Uhr morgens ist sie an diesem Sonntag aufgestanden, um den weiten Weg in die Kirche zu laufen – ihre Großmutter hat ihr gesagt, dort gebe es an diesem Tag erschwingliche Brillen.

Weitere Informationen: www.eindollarbrille.de

 

Über EinDollarBrille e.V.

Millionen Menschen leiden weltweit an einer Fehlsichtigkeit, die mit einer einfachen Sehhilfe behoben werden könnte, verfügen jedoch nicht über die Mittel, sich eine herkömmliche Brille zu kaufen. Quantitative Aussagen über das weltweite Ausmaß dieses Problems macht die von der WHO in 2012 beauftragte Studie „Global cost of correcting vision impairment from uncorrected refractive error“. Danach leiden 158 Mio. Menschen an Kurzsichtigkeit und weitere 544 Mio. Menschen an Weitsichtigkeit oder bräuchten eine Lesebrille. Es fehlen ungefähr 65.000 zusätzliche augenoptische Fachkräfte für die Versorgung der insgesamt 702 Mio. Fehlsichtigen. Das Ziel des EinDollarBrille e.V. ist der Aufbau von Strukturen zur Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen, günstigen, vor Ort produzierten und individuell angepassten Brillen. Der Verein wurde 2012 von Martin Aufmuth, dem Erfinder der EinDollarBrille, gegründet; der Verein ist vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt. Die EinDollarBrille wird von Menschen vor Ort hergestellt und verkauft. Die Materialkosten für eine Brille liegen bei rund einem US-Dollar; der Verkaufspreis bei zwei bis drei ortsüblichen Tageslöhnen. Die Ausbildung der Brillenproduzenten, der augenoptischen Fachkräfte und der Strukturaufbau in den Zielländern werden durch Spenden finanziert. Das Projekt ist nachhaltig: Aus dem Verkaufserlös der Brillen werden die Gehälter der Mitarbeiter im Land bezahlt und Material für neue Brillen nachgekauft. Ziel ist eine kontinuierliche, finanziell unabhängige augenoptische Grundversorgung der Bevölkerung in Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Südamerika. (www.eindollarbrille.de )

 

Über die Else Kröner-Fresenius-Stiftung

Die Stiftung wurde im Jahr 1983 von der Unternehmerin Else Kröner, geb. Fernau, gegründet und zu ihrer Alleinerbin eingesetzt. Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung dient der Förderung medizinischer Wissenschaft und unterstützt medizinisch-humanitäre Projekte. Die EKFS bezieht nahezu alle ihre Einkünfte aus Dividenden des Gesundheitskonzerns Fresenius, dessen größte Aktionärin sie ist. Die Stiftung fördert satzungsgemäß nur solche Forschungsaufgaben, deren Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich sind. Bis heute hat die Stiftung rund 1.300 Projekte mit einem Gesamtvolumen von ca. 200 Millionen Euro gefördert. (www.ekfs.de)

Kontakt
Dr. Ulrike Schneider
Leitung Stiftungskommunikation
Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Postfach 1852
61352 Bad Homburg
Tel.: (06172) 897510
E-Mail: u.schneider(at)ekfs.de

 

Claudia Wittwer
EinDollarBrille e.V.
Böhmlach 22
91058 Erlangen
Tel.: (089) 57089049
E-Mail: presse(at)onedollarglasses.org