Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Startseite»Aktuell

Laos: Gezielte Entwicklungshilfe verbessert Müttergesundheit

Die hohe Müttersterblichkeit in Entwicklungsländern zählt zu den wichtigsten Heraus-forderungen der Armutsbekämpfung. Das medizinisch-humanitäre Projekt der Else Kröner-Fresenius-Stiftung setzt mit der Universitäts-Frauenklinik Freiburg auf eine weltweit einzigartige Ausbildungskooperation. Der wirksame Mitteleinsatz vor Ort erzielt in Laos nachhaltige Erfolge. Die Ausbildung von Fachärzten mit späterer Schu-lungs- und Leitungsfunktion verbessert die medizinische Versorgung im gesamten Land.

Bad Homburg, den 8. Juni 2010 – Durch die weltweit begrenzten Mittel zur Armutsbekämp-fung in den Entwicklungsländern ist ihr effizienter Einsatz für mehr Eigenständigkeit und strukturbildende Maßnahmen in den Empfängerländern entscheidend. Die von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung geförderte universitäre Ausbildungskooperation zur Verbesserung der Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Laos hat sich als ein erfolgreicher und nachhaltiger Ansatz für eine medizinisch-humanitäre Förderung erwiesen.

Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung hat in Laos die umfassende Ausbildung von Frauenärzten, Hebammen und Allgemeinärzten in Zusammenarbeit mit der Universitäts-Frauenklinik Freiburg gefördert und konzeptionell unterstützt. „Seit Projektbeginn 2007 ist nicht nur die Müttersterblichkeit und Kindersterblichkeit in Laos weiter zurückgegangen“, sagt Dr. Carolin Kröner, Beauftragte für humanitäre Projekte bei der Stiftung. „Auch wird der universitäre Ausbildungsansatz von dem laotischen Gesundheitsministerium als eine der Hauptsäulen im Kampf gegen die mütterliche und kindliche Sterblichkeit gesehen.“

Durch die Facharztausbildung konnte die Qualität der medizinischen Betreuung in den länd-lichen Gebieten deutlich erhöht werden, wo der überwiegende Bevölkerungsteil lebt. Auch gynäkologische Krankheiten werden nun verstärkt diagnostiziert, die vorher weder erkannt, noch behandelt wurden.

Ganzheitlicher, nachhaltiger Projektansatz

Zentrale Elemente der Ausbildungskooperation sind die Einrichtung zweier Postgraduierten-Trainingszentren in den Krankenhäusern in Vientiane und Luang Prabang sowie die dauer-hafte Anhebung des Qualitätsniveaus der Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Projektleiter Prof. Dr. Michael Runge, Leiter des Collaborating Centers for Postgraduate Training and Research in Reproductive Health an der Universitäts-Frauenklinik Freiburg: „Die Besonder-heit ist der lokale, partnerschaftliche Ansatz mit der problembezogenen und auf das Land zugeschnittenen Ausbildung für Hochschullehrer, Frauenfachärzte, Hebammen und Allge-meinärzte mit Geburtshilfe-Diplom.“ Sie geben ihr Wissen an Kollegen, Auszubildende und Studenten weiter, wodurch sich medizinische Kompetenz im Land kontinuierlich verbreitet.

Insbesondere die Fachärzte übernehmen später meist Leitungs- und Schulungsfunktionen in regionalen Krankenhäusern. „Dieses Train-the-Trainer-Prinzip erhöht die Wirksamkeit der eingesetzten Fördermittel dauerhaft, weil das Wissen kontinuierlich weitergegeben wird. Das ermöglicht eine eigenständige Entwicklung“, sagt Dr. Carolin Kröner.

„Bisher haben wir u. a. 33 Fachärzte und fünf Hochschullehrer in Laos ausgebildet, die sowohl in der Hauptstadt Vientiane als auch auf dem Land arbeiten“, erläutert Prof. Dr. Runge. „Allein in den Kliniken der Hauptstadt profitieren mehrere Hundert behandelte Frauen pro Tag vom Know-how der von uns ausgebildeten Ärzte, und das 7 Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr.“ Aber auch außerhalb der Hauptstadt, wo 80 Prozent der Bewohner leben, behandeln seit dem Projektbeginn erstmals Frauenärzte in den Provinzkrankenhäusern jedes Jahr Tausende von Frauen.

Vor Programmbeginn gab es in Laos 14 Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe. „Heute arbeiten in den Gesundheitseinrichtungen mehr auf europäischem Niveau ausgebildete Fachkräfte denn je“, sagt Prof. Dr. Runge. Jährlich kommen neue Fachärzte hinzu, die nach ihrer Ausbildung meist leitende Funktionen in den Krankenhäusern auf dem Land überneh-men. Die Trainingszentren verfügen über moderne technische Ausrüstung wie gynäkologi-sche Untersuchungseinheiten, Ultraschallgeräte, Entbindungsbetten, Wiederbelebungseinheiten für Neugeborene sowie Inkubatoren.

Einzigartige Einbindung von Lehrmaterialien

„Eine weitere Besonderheit und Grundlage des erfolgreichen Entwicklungsprojekts ist die Entwicklung hervorragender Lehrmaterialien“, betont Dr. Carolin Kröner. Basis sind die von der Universitäts-Frauenklinik Freiburg und dem Freiburger Collaborating Center for Postgraduate Training unter der Leitung von Prof. Dr. Runge entwickelten 18 Unterrichtsmo-dulbücher. Des weiteren wurden für die zukünftigen Hochschullehrer und Fachärzte 24 CD-Roms mit 9.500 PowerPoint-Folien und 14 Video-DVDs zu gynäkologischen Operationen für die Ausbildung zum Facharzt für Geburtshilfe und Gynäkologie entwickelt. „Um die Umset-zung der theoretischen Inhalte im klinischen Alltag für den Unterricht an den laotischen Fa-kultäten zu erleichtern, wurde das Lehrmaterial zudem komplett ins Laotische und Vietname-sische übersetzt“, erläutert Prof. Dr. Runge. Die Lehrmaterialien stellen aber auch für die Ausbildung in Europa einen Fortschritt dar, was die „European Union of Medical Specialists“ und das „European Board and College of Obstetrics and Gynecology“ dazu bewogen hat, die Lehrmaterialien auch für eine Facharztausbildung in Europa zu akkreditieren.

Mit der erfolgreichen Projektentwicklung entstanden zudem internationale Universitäts-Kooperationen, die weitere wichtige Beiträge zur Verbesserung des medizinischen Versor-gungsniveaus in Laos leisten, wie mit der Universität Düsseldorf (Neugeborenen-Screening), der US-amerikanischen NGO Health Frontiers (Weiterbildungsveranstaltungen), der Univer-sität Basel (HIV-Prävention) und mit dem Karolinska Krankenhaus Stockholm (Krebsfrüher-kennung).


Notizen für die Redaktion

Über Laos
Laos gehört mit etwa 6,8 Millionen Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von rund 840 US-Dollar je Einwohner zu der Gruppe der „least developed countries“. Laos ist mit Kambodscha das ärmste Land Asiens. In Laos ist die Müttersterblichkeit in den vergangenen sieben Jahren auf offiziell ca. 480 je 100.000 Lebendgeburten pro Jahr gesunken. 2003 lag die Rate noch bei 600 bis 800 Todesfällen. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die mütterliche Sterblichkeit 4 bis 6 je 100.000 Lebendgeburten pro Jahr.

Über die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Die Universitäts-Frauenklinik Freiburg ist einer der wichtigsten Projektpartner der Stiftung. Als Leiter der Klinik hat Prof. Dr. Horst Michael Runge durch die seit 1995 erfolgreiche Ausbildungskooperation bereits zur deutlichen Verbesserung des Gesundheitssektors in Vietnam beigetragen. Diese Erfah-rungen wurden auf das Engagement in Laos übertragen.

Über die Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung wurde im Jahr 1983 von Else Kröner gegründet. Else Kröner starb im Jahr 1988 und hat der Stiftung testamentarisch ihr gesamtes Vermögen vermacht. Die Stiftung widmet sich der Förderung klinisch orientierter, biomedizinischer Forschung und unterstützt medizi-nisch-wissenschaftliche sowie medizinisch-humanitäre Hilfsprojekte. Bis heute hat die Stiftung rund 890 Projekte gefördert. Schwerpunkte im Bereich der medizinisch-humanitären Förderung sind die Entwicklung und der Ausbau von Kooperationsprojekten mit Entwicklungsländern zur Verbesserung der medizinischen Lehre und der Gesundheitsversorgung.

Kontakt
Dr. Carolin Kröner
Beauftragte für humanitäre Projekte
Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Postfach 1852
61352 Bad Homburg
Tel.: (06172) 89751-0
E-Mail: kontakt@ekfs.de
www.ekfs.de

Dies ist ein Ausdruck einer urheberrechtlich geschützten Seite der Else Kröner-Fresenius-Stiftung.