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Drei herausragende Ärzte mit den Else Kröner Exzellenzstipendien ausgezeichnet
Die Preisträger des Else Kröner Exzellenzstipendiums für 2010 sind: PD Dr. Stephan Brand, Dr. Stefanie Hahner und PD Dr. Alexander Zarbock / Ausgezeichnet wurden Forschungsprojekte zur Entstehung entzündlicher Darmerkrankungen, zur Diagnostik von Erkrankungen der Nebennieren und zum akuten Lungenversagen.
Bad Homburg, den 14. Dezember 2010 – Die 2010 ausgeschriebenen Else Kröner Exzellenzstipendien gehen an die drei klinisch und wissenschaftlich profilierten Ärzte Priv.-Doz. Dr. Stephan Brand (Klinikum der LMU München), Dr. Stefanie Hahner (Universitätsklinikum Würzburg) und Priv.-Doz. Dr. Alexander Zarbock (Universitätsklinikum Münster). Dies gab heute die Else Kröner-Fresenius-Stiftung bekannt. „Den drei Stipendiaten ist es gelungen, parallel zur verantwortlichen klinischen Tätigkeit als Oberärztin oder Oberarzt grundlegende, international beachtete wissenschaftliche Beiträge zu leisten“, sagt Dr. Susanne Schultz-Hector, Vorstandsmitglied der Else Kröner-Fresenius-Stiftung. Die Stipendiaten beschäftigen sich mit molekularen Entstehungsmechanismen entzündlicher Darmerkrankungen, der fortgeschrittenen Funktionsdiagnostik von Erkrankungen der Nebennieren und den molekularen Grundlagen des akuten Lungenversagens.
Die Stipendien sind mit jeweils 120.000 Euro pro Jahr dotiert. Sie ermöglichen für zwei Jahre die konzentrierte wissenschaftliche Arbeit und Freistellung vom Klinikbetrieb. „Substantielle Fortschritte in der Medizin entstehen aus dem unmittelbaren Brückenschlag zwischen klinischer Fragestellung und experimenteller Forschung. Dies gelingt am besten, wenn in beiden Welten, der Krankenversorgung und der Wissenschaft, herausragende Kompetenzen erworben werden“, sagt Dr. Susanne Schultz-Hector.
Stipendiat PD Dr. Stephan Brand (Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München) / Forschung zur Entstehung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen
PD Dr. Stephan Brand, Oberarzt und Leiter der Arbeitsgruppe „Mukosale Immunologie“ an der II. Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums München- Großhadern, erforscht Krankheitsmechanismen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, von denen allein in Deutschland mehr als 320.000 Menschen betroffen sind. Zu diesen Erkrankungen zählen die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn, deren Entstehung bis heute nur unvollständig geklärt ist.
Bei der Colitis ulcerosa werden Entzündungen der oberflächlichen Schichten im Dickdarm festgestellt. Bei Morbus Crohn, der den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann, wird als wahrscheinliche Ursache eine Überaktivierung des Schleimhaut-Immunsystems durch Darmbakterien in genetisch vorbelasteten Patienten angenommen. So zeigten umfangreiche Vorarbeiten aus der Arbeitsgruppe von PD Dr. Stephan Brand bei Morbus Crohn-Patienten ein verstärktes Auftreten von Veränderungen in Genen, die entzündungsfördernd wirken. „Derzeit ist die funktionelle Bedeutung dieser Genvarianten aber nicht bekannt, was in einem weiteren Teilprojekt untersucht werden soll“, so der Stipendiat.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen zur Entwicklung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen stehen körpereigene Substanzen wie die Zytokine IL-17A und IL- 17F, die beim Patienten die Entzündungsreaktion weiter verstärken. „Wenn diese Mechanismen verstanden werden, könnten sich neue medikamentöse Therapiemöglichkeiten ergeben“, so PD Dr. Stephan Brand.
Stipendiatin Dr. Stefanie Hahner (Universitätsklinikum Würzburg) / Forschung zur Diagnostik von Erkrankungen der Nebennieren
Die Stipendiatin Dr. Stefanie Hahner von der Medizinischen Klinik an der Universität Würzburg befasst sich mit der molekularen Entstehung, der Diagnostik und der Therapie von Nebennierenerkrankungen, insbesondere von Nebennierentumoren.
Das Nebennierenkarzinom, ein bösartiger Tumor, der oft bereits im Kindes- und jungen Erwachsenenalter auftritt, stellt ein besonderes diagnostisches und therapeutisches Problem dar. Die bisherige Forschungsarbeit war aufgrund der Seltenheit dieser Erkrankung aber auch aufgrund der bisher schwierigen Diagnose erschwert. Heute kann die Anzahl nicht oder spät erkannter Fälle mithilfe neuer Verfahren der konventionellen Bildgebung wie zum Beispiel der Computertomographie reduziert werden. Vor diesem Hintergrund hat die Universitätsklinik Würzburg speziell ein Nebennierentumorzentrum errichtet.
Dr. Stefanie Hahner will durch die Neuentwicklung spezifischer Radiotracer für die oft schwierige Differentialdiagnostik von Nebennierentumoren neue Möglichkeiten für die Bildgebung etablieren. „Durch diese Forschung wird eine therapeutische Option für Patienten mit Nebennierenkarzinom fortentwickelt“, so die EKFS zur Begründung des Exzellenzstipendiums.
Stipendiat PD Dr. Alexander Zarbock (Universitätsklinikum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster) / Forschung zum akuten Lungenversagen
PD Dr. Alexander Zarbock von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin der Universität Münster untersucht die molekularen Mechanismen des akuten Lungenversagens. Dieses Erkrankungsbild kann durch verschiedene Ursachen, zum Beispiel durch einen Unfall oder durch eine Lungenentzündung, ausgelöst werden und führt häufig zum Tod. Kritisches Merkmal des akuten Lungenversagens ist eine Ansammlung von Immunzellen und Flüssigkeit, die den Gasaustausch in der Lunge beeinflusst. Trotz intensiver Forschung existiert noch keine pharmakologische Therapie für Patienten mit dieser schweren Erkrankung.
Der Stipendiat hat einen Signalstoff, den so genannten Growth-Differentiation Factor 15, als ein Schlüsselmolekül des akuten Lungenversagens erkannt. In seinen geplanten Experimenten wird Dr. Alexander Zarbock untersuchen, ob und wie dieser Signalstoff die Ansammlung von Immunzellen und Flüssigkeit in der Lunge verhindert. „Hieraus werden sich wichtige Impulse zur Entwicklung neuer und alternativer Behandlungsstrategien bei Patienten mit akutem Lungenversagen ergeben, wodurch die hohe Sterblichkeit dieses Krankheitsbilds gesenkt werden kann“, heißt es bei EKFS zur Vergabe des Stipendiums.
Über das Else Kröner Exzellenzstipendium
Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung schreibt regelmäßig Stipendien für Ärztinnen und Ärzte zur Durchführung klinisch-medizinischer Forschungsprojekte aus. Für die Vergabe der Exzellenzstipendien wurden in 2010 erstmals erfahrene Ärzte auf Oberarzt-Niveau angesprochen. Die Stipendien sollen den Kandidaten eine zweijährige Freistellung zur Forschung an einer deutschen Universitätsklinik ermöglichen. Bewerber müssen herausragende Forschungsleistungen vorweisen sowie in verantwortlicher Funktion klinisch tätig sein.
Über die Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung wurde im Jahr 1983 von Else Kröner, geb. Fernau, gegründet. Else Kröner, die 1988 starb, hat der Stiftung testamentarisch ihr gesamtes Vermögen vermacht. Die gemeinnützige EKFS widmet sich der Förderung klinisch orientierter, biomedizinischer Forschung und unterstützt medizinischhumanitäre Hilfsprojekte. Die Stiftung fördert satzungsgemäß nur solche Forschungsaufgaben, deren Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich sind. Bis heute hat die Stiftung rund 900 Projekte mit einem Gesamtvolumen von ca. 100 Millionen Euro gefördert.
Kontakt
Dr. Susanne Schultz-Hector
Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Postfach 1852
61352 Bad Homburg
Tel.: (06172) 897510
E-Mail: schultz-hector@ekfs.de